Kölner Klaviertrio – Presse
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Pressestimmen

Mittelbayerische Zeitung (2006)

„Musikmachen wird zum Rausch“

Warum das „Kölner Klaviertrio“ eigentlich nach Regensburg gehört

Von Thomas Vitzthum, MZ
REGENSBURG. Wenn eine brasilianische Fluglinie Konkurs anmeldet, dann kümmert das die Regensburger so viel wie das sprichwörtliche Umfallen eines chinesischen Fahrrads. Zwei Neuregensburger sehen das allerdings anders: „Irgendwie hätten wir einen Flug nach Brasilien bekommen, aber zum Start der Orchesterproben am Stadttheater zurück zu sein, das hätte nicht funktioniert“, erzählt Joanna Sachryn, die seit 2004 als Solocellistin beim Philharmonischen Orchester engagiert ist und dafür mit ihrem Mann, dem Geiger Walter Schreiber, an die Donau gezogen ist.

Die beiden Musiker bilden zusammen mit dem hoch geschätzten Kölner Klavierpädagogen Günter Ludwig das Kölner Klaviertrio, dessen Tournee nun wegen der Misswirtschaft der brasilianischen Varig ausfallen muss. „Jetzt fahren wir eben nach Ungarn“ scherzt Walter Schreiber, in dessen Gesicht sich die Anspannung der letzten Wochen in ein Strahlen verwandelt hat.

Viele Konzerte in Brasilien

Das Kölner Klaviertrio hat Kontakte in alle Welt, doch Brasilien ist seit jeher ein Lieblingsort der Künstler. „Wir waren noch ein sehr junges Ensemble, als wir mit Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes als kulturelle Botschafter an die Copa Cabana geschickt wurden, seither kommen wir immer wieder“, berichtet Walter Schreiber, der das Trio vor 20 Jahren in Köln aus der Taufe hob und seine Konstante blieb. Sogar das erste Konzert in der aktuellen Besetzung fand 2004 in Rio statt. Günter Ludwig war damals nach langem Vorspielen, Suchen und Zaudern zu den beiden Streichern gestoßen. Obwohl der 75-Jährige eine Generation älter ist als seine Kollegen, harmoniert das Trio perfekt. „Es ist ein Riesenglück, dass wir uns gefunden haben. Wir sind drei, die dasselbe wollen. Musikmachen kann so zum Rausch werden“, bekennt Walter Schreiber.

Zum typischen „Berufsbild“ gehört es, dass man sich nur zu Probenphasen trifft, dass man an unterschiedlichen Orten lebt, in unterschiedlichen Orchestern oder als Lehrer arbeitet. Die Vorbereitung geschieht individuell. Das muss kein Nachteil sein, denn schon die Komponisten haben die Trio-Parts oft so autonom gestaltet, wie es ihnen eben möglich war.

Walter Schreiber: „Ein Streichquartett muss sich stundenlang gegenseitig erforschen und beobachten. Beim Klaviertrio ist das Zusammenspiel leichter, weil die solistischen Anforderungen höher sind. Die Erfahrungen entstehen in erster Linie im Konzert.“ So nimmt es nicht Wunder, dass die sagenumwobenen Trios oft aus absoluten Solisten bestanden. Geschichte machte das „Million Dollar Trio“ mit dem Pianisten Arthur Rubinstein, dem Geiger Jascha Heifetz und dem Cellisten Gregor Piatigorsky. Das Kölner Klaviertrio orientiert sich jedoch lieber am legendären Beaux Arts Trio, das im letzten Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feierte. „Wir drei suchen beim Spielen natürlich nach Gemeinsamkeiten. Wir üben auch in Gesprächen“, betont Joanna Sachryn.

Um ihre Erfahrungen weiter zu geben, gibt das Kölner Klaviertrio regelmäßig Meisterklassen. Im Herbst unterrichten die drei Musiker erstmals in Alteglofsheim – für sie ein wichtiger Schritt, sich stärker in der Region zu etablieren. Auf eine Gelegenheit, ihre Kunst in Regensburg vorzustellen, warten sie noch, einstweilen müssen es Rio de Janeiro oder Budapest tun.

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